Eines der wichtigsten Argumente für die Nutzung des Convergent Design Models ist, dass neue Services (Medien und Inhalte), welche die konkreten Praktiken und Einstellungen der UserInnen als Fundament ihrer Entwicklung und Verbreitung begreifen, tendenziell wesentlich größere Erfolgschancen haben als jene Produkte, deren Annahme die UserInnen zu einer produkt-immanent bedingten behavioristische Veränderung ihres Verhaltens zwingt.
Dass die Bedeutung dieser Generalisierung im medienkonvergenten Ökosystem zunimmt, liegt:
Über beide Aspekte habe ich an bereits ausführlich gepostet.
The Service-Life-Cycle: Capabilty meets Usability meets the User
Im Kreislauf des Convergent Design Modells sind daher die UserInnen der Ausgangspunkt bzw. Grundbaustein für die Entwicklung und die Verbreitung eines neuen Services, das in diesem System eher als Resultat des Entwicklungs- und Verbreitungsprozesses zu begreifen ist und nicht als dessen Ursache.
In Anlehnung an Tim O´Reilly, der medienkonvergente Angebote nicht als fertig konfektionierte Produkte, sondern als kontinuierlich sich verändernde Services („Perpetual Betas“) definiert, ergibt sich daraus ein “Service-Life-Cycle”, der untrennbar mit den UserInnen verbunden ist.
In der grafischen Darstellung sieht das so aus:
Vom Innovator zum Skeptiker: UserInnen sind entlang des Service-Life-Cycles vernetzt
Eine der häufigsten Mißinterpretationen des Modells ist, wenn kluge Marketingstrategen aufgrund der Eigenschaften eines neuen Services beschliessen, beispielsweise besonders auf alle “Late Adopters” abzuzielen und sich in der Folge von Anfang an auf eben diese in der Kommunikation und Interaktion spezialisieren. Der Mißerfolg des Services ist damit vorprogrammiert. Gelingt der Erfolg trotzdem, beruht er auf purem Zufall. In beiden Fällen ist der Marketer daher sein Geld nicht wert.
Die magentafarbene Gaußkurve in der oberen Grafik beschreibt, dass JEDES Service – egal wie progressiv oder konservativ – auf JEDEM gegebenen Markt mit JEDER gegebenen Zielgruppe diesen Life-Cycle durchlaufen wird.
Die Common-Rule-of-Sense lautet: UserInnengroups lassen sich nicht unabhängig voneinander sehen, sondern stehen in losen Verbindung zueinander, die einen fundamentalen Einfluss auf das Service haben. Ohne Innovatoren keine Early Adopters. Ohne Early Adopters keine Chance, dass das Service zum Selbstläufer wird und von einer Early Majority an UserInnen genutzt wird, der eine Late Majority folgt bis schliesslich auch die sog. Laggards (Skeptiker) das Service nutzen.
Diese Regel gilt für Mainstreamphänomene ebenso wie für Nischenservices.
Die obere Grafik macht dabei deutlich, dass UserInnen, je nach Entwicklungs- und Verbreitungsphase eines Services von unterschiedlichen Bedürfnissen geprägt werden und Services in Punkto Capability und Usability zu anderen Zeiten andere Anforderung erfüllen müssen, um erfolgreich zu sein. Dies ist in der unteren Grafik dargestellt.
Beide Grafiken in der Kombination zeigen, wie das UserInnenverhalten und die Entwicklung bzw. Verbreitung des Services zusammenhängen.
Service-Innovation, Marketing und Prozess-Optimierung sind dabei in unterschiedlichen Phasen wichtige Faktoren. Ihre Bedeutung im Service-Life-Cycle beleuchtet der nächste Teil der Reihe.
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