Klar ist, dass es auch in einer vom Überfluss geprägten Ökonomie Medien geben wird, die von mehr UserInnen genutzt werden als andere. Zudem wird es Medien geben, die auf mehr Einfluss auf das Verhalten der UserInnen haben als andere. Und es wird welche geben, die Userinnen mehr beeinflussen wollen als andere.
Dasselbe gilt für neue Standards, von denen manche verbreiteter sein werden als andere, und wieder andere wesentlich vorteilhafter sein werden als die verbreiteten, was letztere in ihrer Bedeutung auf Dauer wieder relativieren wird.
Dass Unternehmen mit ihren Angeboten dabei jeweils auf das vorherrschende Medium oder den am meisten verbreiteten Standard setzen sollen, um zu versuchen, damit auf effiziente Weise Wachstum und im Optimalfall Marktdominanz erreichen zu können, ist ein strategischer Trugschluss!
Die Devise lautet vielmehr über so viele unterschiedliche Schnittstellen als möglich erreichbar zu sein und dabei gleichzeitig auf so viele verschiedene Arten wie möglich -egal wie verbreitet oder beliebt eine Bezugsquelle, eine Schnittstelle, oder ein Standard ist.
Wenn Bits billig sind, beliebig skalierbar und an verschiedenen Stellen zugleich sein können, wenn je nach individueller Betrachtungsweise der jeweiligen UserInnen ein und dasselbe medienkonvergente Angebot dabei höchst unterschiedliche und dennoch höchst relevante Bedeutung haben können. Why not use it?
Zur Illustration hier das simple Beispiel von useit.com. Es verdeutlicht das Grundargument, das hinter dieser Long-Tail-Strategie liegt.
Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der UserInnen, die jeweils von einer bestimmten anderen Website (Schnittstelle) auf useit.com gelandet sind:
Anmerkung: Ich habe dieses Beispiel ganz bewußt gewählt, da es von einem Player dominiert wird, dessen Alleinstellungsmerkmal weit über den sonst gängigen Verteilungen in einem Long Tail liegt. Aber selbst hier wird das Potential des Ansatzes deutlich:
Der grosse blaue Punkt ganz oben ist – eh klar – Google.
Google ist fünf Mal populärer als es die Theorie des Long Tail (der keine wirkliche Neuerfindung von Chris Anderson ist, sondern auf Zipfs Law beruht) für die meisten anderen Märkte im Schnitt vorhersagt.
Und trotzdem: Obwohl Google unverhältnismässig viel wichtiger dafür ist, dass UserInnen bei den Angeboten von useit.com landen, bezieht die Seite aus der Summe aller anderen Schnittstellen, die auf die Website verweisen 35% mehr Traffic, als durch Google alleine.
Dazu der großartige Jakob Nielsen, der useit.com betreibt und der Autor vieler genialer Artikel und Studien zu den Themen Medienkonvergenz, Internet , Usability und Web Design ist:
“Clearly, it’s not a good idea to focus only on #1.”
Im weiteren Verlauf seines Artikels beschreibt Nielsen, über wie viele unterschiedliche Suchbegriffe und inhaltlich z.T. völlig auseinanderlaufende Suchmuster, UserInnen auf seine Seite kommen und trotzdem dabei mit großer Wahrscheinlichkeit ein für sie relevantes Angebot finden. Ein Click auf diese Seite lohnt sich daher auf jeden Fall. Verstanden?
Das Fazit aus diesem Beispiel ist simpel: Exklusivität ist paradoxerweise im Überfluß weniger effizient als in der Knappheit.
Originalität, Diversität, Kompatibilität, und Offenheit für die Interpretation der UserInnen (sowohl beim Prozess des Suchens und Findens, der Nutzung aber auch der Rekombination des eigenen Angebots mit anderen) sind dagegen Multiplikatoren, deren Bedeutung am medienkonvergenten Markt zunimmt.
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