In der Ende 2006 erschienen Studie Web Reloaded? – Driving Convergence in the “real world” beschreibt das amerikanische Consulting Unternehmen Arthur D. Little den Archetyp der “Ideal-UserIn” medienkonvergenter Angebote anhand eines “typischen Tages”.
Die Studie beschreibt so etwas wie die Idealvorstellung von Medienkonvergenz aus unternehmerischer Sicht, und entwirft ein Szenario für die Zukunft der Entwicklung medienkonvergenter Angebote, wie es sich viele Provider nicht besser wünschen könnten.
Besondere Aktualität erhält das Beispiel durch die Markteinführung des iPhones Ende Juni 2007. Kaum ein Hardwaregerät hat in den letzten Monaten mehr Hype generiert.
Umso mehr lohnt es sich, Lisa´s Day ein wenig genauer anzusehen, und ein paar Unternehmensstrategien zu beleuchten, die hinter dieser „klassischen“ Konvergenzbetrachtung liegen:
Lisa’s Day
To document the changes that took place over the last years, we will show an example of a young person using the full potential of the Web in a typical day.
Lisa, 17, a student, uses the latest Web services extensively in many situations; fixed, nomadic, and truly mobile.
Lisa: “The net is part of my social life as I use it not just for information but also for communication and meeting cool people”
12.00: Lisa receives a list of personal RSS-feeds to her mobile phone. There is a rock concert coming up tonight. “With the smart query, I get all the information I need with just a push on the button.”
14.00: Lisa checks her presence list to see which friends are in town to join her to the concert.
16.00: Lisa forwards the RSS-feed to her buddies and invites them to join to the rock concert.
(Wichtig: das Modell geht also davon aus, daß alle Personen in Lisas Netzwerk über dasselbe Set-up an Medien verfügen, und sie im Rahmen einheitlicher Kommunikationsstandards nutzt.)
17.00: Within the next hour Lisa receives several positive replies on her mobile by IM, MMS and SMS. “Everybody wants to go! I´m really happy I don´t have toc check my email-inbox, short message folder and instant messenger separately. Simply sorted my communication by the thread”
18.00: Lisa connects to the ticket site with her mobile and purchases tickets and forwards them to her buddies. “it is really nice not to wait outside to give out the tickets. I can just store it in my phone.”
19.00: Lisa clicks on the adress in the feed – get´s directions on Google maps from “current location”
20.00: Lisa enjoys a great evening with rock music & friends. She takes pictures with the mobile, tags them for sharing. “With the nice tagging feature, I can just upload them to my blog without having to go through them again to rename them.”
23.00: Lisa updates her blog about the concert, and she shares her moments with buddies. “All the pictures are there and my friends can see them on their way to work tomorrow morning. I just saved them with my message thread from this afternoon, so I do not even have to send a link. Got to go to sleep now – even though I´m tempted to read through some nice messages commenting on my profile on the networking site – some are really cute…”
Das Black-Box-Szenario: Die erste These “klassischer” Konvergenzstrategien
Vorweg: Wer so eine 17-Jährige kennt, oder jemand ist, für den solche Tage typisch sind, soll mir bitte unbedingt posten. Ich will die Lisas dieser Welt kennen lernen, denn ich finde ihren Alltag aus mehreren Gründen bemerkenswert:
Zunächst gibt das Beispiel den Mainstream fast aller aktuellen Zielgruppenbetrachtungen wieder, die ich in den letzten Monaten während der Recherche für dieses Blog in Unternehmensreports gelesen habe. Zudem werden darin die zwei Thesen „klassischer“ Konvergenzbetrachtung und ihrer Auswirkungen auf aktuelle Markt-Strategien sichtbar.
Die erste These wird an Lisa´s Day besonders deutlich:
Letztlich läuft Konvergenz darauf hinaus, dass alle Services oder Medien Contents früher oder später in einer Schnittstelle gebündelt sein werden…
…im mobilen Szenario, wie in Lisa´s Day, in einem multifunktionalen Handy oder Organizer, daheim im Wohnzimmer in einem Entertainment Center, das TV, VCR, DVD, Stereoanlage usw. koordiniert, und im Büro in einer vernetzten Workstation, die erweitert um Telekommunikationsservices wie Internettelefonie, Instant Messaging und Video-Conferencing am ehesten vergleichbar mit einem Call-Center-Szenario ist.
Als Voraussetzung für dieses Black-Box-Szenario wird die Entwicklung einheitlicher technologischer Kommunikationsstandards genannt, die die UserInnen in ihrer Gesamtheit adaptieren (siehe Lisa´s Freunde, die bspw. offenbar alle über denselben der aktuell über 20 gängigen und meist nicht untereinander kompatiblen IM-Standards verfügen), um auf alle denkbaren Mediencontents und Web 2.0-Services beliebig zurückgreifen zu können. Die Schlagworte hierbei lauten: Interoperabilität, Multi-Access und Multi-Nutzen.
Ein schönes Ziel, dem ich mich sofort und bedingungslos anschließen würde, da es aktuell von der Realität weit entfernt ist. Nicht zuletzt weil neben Apple mit seinem iPhone auch Player wie Nokia, Samsung, Sony, Blackberry, und daran angeschlossen eine Vielzahl von Mobilfunkbetreiber, aber auch Microsoft, Yahoo und Google ebenfalls an neuen Standards basteln, bei der es über die Verbreitung von sozialen Netzwerken, Internet-Suchdiensten und Web-Based Software letztlich um die Vorherrschaft am Internetwerbemarkt geht. Ob daher Kompatibilität wirklich die zentrale Strategie ist oder es mehr um den Aufbau von Walled Gardens nach Vorbild von AOL geht, bleibt offen.
Arthur D.Little definiert in seiner Studie für den Aufbau solcher Standards (offen oder “walled”) fünf Service-Clusters, in denen sämtliche medienkonvergente Angebote und Web 2.0-Dienste zusammengefaßt werden (vom Mash-up Filtern, Social Medias & Plattforms über Web Top-Applikationen und Komminikationsanbietern bis hin zu den verschiedensten Nischen-Playern), stellt gleichzeitig aber fest, daß die “Big League Players” nur jene sein werden, die in der Lage sind, diese 5 Cluster in einen Multi-Cluster technologisch zusammenzufassen. (ähnliche Modelle finden sich in fast allen Dokumentationen aus dem Telco- oder ISP-Bereich).
Welche drei unternehmerischen Logiken sich daraus für eine Big-League-Player-Strategie ergeben, und wie die zweite These klassischer Konvergenzbetrachtung lautet und sich in dieses Konzept einfügt, darüber im nächsten Posting mehr.
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